Zum Gedenken an Reichspogromnacht: Wir putzen Stolpersteine

Carina Gödecke, Caroline Ströttchen und Martina Hoppe

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat sich unauslöschbar in unser Gedächtnis gebrannt. In dieser Nacht brannten überall in Deutschland die Synagogen und Bethäuser, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, geplündert und in Brand gesetzt. Junge und alte Jüdinnen und Juden wurden geschlagen, gequält, gedemütigt, misshandelt, verhaftet, deportiert und ermordet. Auch bei uns in Bochum, wo die jüdische Gemeinde rund 1.150 Mitglieder hatte.

Stephan Kosel

Spätestens mit dieser Nacht konnte Jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht, die Reichspogromnacht, war das Signal zum größten, unmenschlichsten und grausamsten Völkermord in Europa. Der Nationalsozialismus und seine Anhänger haben damit überdeutlich gezeigt, wie die so genannte Judenfrage gelöst werden sollte, durch Auslöschung und Vernichtung.

 

Die Resolution zum Start der Arbeit der Bezirksvertretung Bochum Ost spricht völlig zu Recht davon, dass der Völkermord an den Juden, die unvorstellbar grausamen, jeder Menschlichkeit beraubten Mordfabriken in den Konzentrationslagern, die größte von Menschen verursachte und zu verantwortende Katastrophe, die Shoa, die Ermordung von mehr als 6 Millionen Juden untrennbar mit diesem Tag, dem 9. November, verbunden sind.

 

Das Erinnern fällt in diesem Jahr – pandemiebedingt – anders aus, als in all den Jahren zuvor. Aber, gerade weil auch im

Sascha Grabinski

Bochumer Osten Fremdenfeindlichkeit, Hetze, Gewalt und rechtsextremes Denken, Reden und Handeln nicht gänzlich unbekannt sind, wollen wir ein sichtbares Zeichen setzen. Daher haben wir einige der Stolpersteine, die im Bochumer Osten verlegt wurden, und die 4. Erinnerungsstele der Erinnerungsroute zum jüdischen Leben, die in Langendreer steht, gesäubert und geputzt.

 

Stolpersteine sind kleine in den Boden eingelassene Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, vertrieben, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden an den letzten bekannten Wohnort oder an der letzten Wirkungsstätte verlegt. Dabei soll man nicht im „klassischen“ Sinne mit den Füßen stolpern, sondern wir sollen mit unserem Herz und unserem Kopf stolpern. Zugleich sollen den Mitmenschen, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen, ihre Gesichter und ihre Geschichte zurückgegeben werden.

 

In Bochum gibt es mehr als 260 Stolpersteine, die allesamt durch das Engagement der Bochumer*innen verlegt werden konnten. Nur wenn Patenschaften übernommen werden, können nämlich Stolpersteine verlegt werden.

Dirk Meyer

Die Stolpersteine für Wilhelm Güte und Sophia und Emil Hirsch sind in Werne verlegt, und wurden von Ratsmitglied Christian Kalisch und der Bezirksvertreterin Dr. Beate Scheffler geputzt. Die Stolpersteine für Mathilda, Sally, Line und Hans Cussel findet man in Langendreer. Sie wurden von Ratsmitglied Martina Hoppe und der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Caroline Ströttchen gesäubert. Die Stolpersteine für Ella und Benjamin Leiser sind in Laer, und der Stolperstein für Ernst Bente in Werne verlegt. Sie wurden von Stephan Kosel, Dirk Meyer und Björn Backhaus geputzt.

 

Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags, hat sich um den Stolperstein für Hans Ehrenberg, den letzten Pfarrer der heutigen Pauluskirche und ein christlich-jüdischer Theologe gekümmert. Hans Ehrenberg war Kämpfer gegen die Nazidiktatur und Vordenker und Wegbereiter des kirchlichen Widerstands. Sehr schnell wurde er Opfer des Naziterrors. Er gehört zu den Wenigen, die nach Haft und Deportation ins KZ, im Exil überlebt haben, und an die ebenfalls mit einem Stolperstein erinnert wird. Von Hans Ehrenberg stammt das Zitat „Die Einheit der Welt ist verloren, wir sind zwei Menschheiten geworden.“

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